Wieso wir unsere Kleider reparieren sollten - und wie das funktioniert
Wer seine Kleidung wertschätzt, repariert sie
Meine Großmutter erzählte mir als Kind oft über ihr Lieblingskleid. Sie besaß ein einziges, wunderschönes, gestreiftes Kleid, das aus vielen bunten Garnen für sie gehäkelt wurde. Als sie älter und größer wurde, ergänzte ihre Mutter immer mehr Streifen am Saum und an den Ärmeln, so dass das Kleid mit meiner Großmutter wuchs und sie es weiterhin tragen konnte. So verlängerte man damals die Lebenszyklen vieler Kleidungsstücke: Löchrige Socken wurden gestopft, Stoff-Patches auf die Knie durchgewetzter Hosen und die Ellenbogen zerschlissener Pullover genäht, alles geflickt, bis es tatsächlich auseinanderfiel. Durch die Ressourcenknappheit, die um den zweiten Weltkrieg herrschte, mussten Kleidungsstücke so lange wie möglich erhalten bleiben. Sie wurden regelmäßig repariert und so oft über viele Generationen weitervererbt.
Warum sich das Reparieren von Kleidung für alle lohnt
Je verfügbarer Kleidung wurde, und je günstiger dazu, desto weniger wurde das Reparieren weiter praktiziert. Wenn man ein neues T-Shirt zum Preis eines Kaffees bekommen kann, lohnt sich dann eine Reparatur überhaupt noch? Viele Kleidungsstücke werden heute eher entsorgt, als aufgebessert. Dass das ein Fehler ist, belegt eine Statistik des WRAP. Das steht für Waste and Resources Action Programme und ist eine britische Non-Profit-Organisation, die zu Nachhaltigkeit, Ressourcennutzung, Abfallvermeidung und Kreislaufwirtschaft arbeitet. In ihrem Report von 2025 schlüsselt WRAP auf: Von 5 reparierten Artikeln ersetzen 4 den Kauf eines neuen Artikels. Das ergibt eine Verdrängungsrate von 82,2 Prozent. Und wer ein Baumwoll-T-Shirt repariert, statt ein neues zu kaufen, kann mehr als 7,5 kg CO2e einsparen. Das entspricht ungefähr 25 Stunden Bügeln.
Ein Kleidungsstück zu reparieren ist aber nicht nur gut für die Umwelt, es hat viele weitere Vorteile: Gerade wenn es sich um ein hochwertiges Stück handelt, ist die Reparatur oft deutlich günstiger als der Neukauf. Und auch die Passform der Kleidung spielt eine große Rolle, denn damit eine Jeans so richtig gut sitzt, bedarf es meist einer langen Suche und dann vielen Trage-Tagen. Zusätzlich entwickelt man durch die selbst vorgenommene Reparatur eine neue Verbindung zu seiner Kleidung, schätzt sie mehr und sendet gleichzeitig ein Signal an große Firmen, die einem am liebsten immer mehr (oft schlecht verarbeitete) Kleidung verkaufen würden.


Kleidung reparieren - mit und ohne Nähmaschine
Viele haben sicher schon mal einen Knopf neu angenäht oder mit den Händen ein Loch im Wollpullover gestopft. Aber wusstet ihr, dass man auch mit der Nähmaschine schnell und einfach lebenserhaltende Reparaturen an Lieblingskleidern vornehmen kann? Und das auch, wenn ihr euch noch zu den Näh-Einsteiger*innen zählt.
1. Zwei Varianten, Löcher zu stopfen
Egal, wie gut man achtgibt: Trägt man ein Kleidungsstück gerne und oft, lassen sich kleine Löcher mit der Zeit oft nicht vermeiden. Doch die sind schnell geflickt:
Die No Sew-Lösung: Eine besonders unkomplizierte Lösung für kleine Löcher sind selbstklebende Rub-on Patches von Prym. Sie funktionieren ganz ohne Nähen und lassen sich einfach auf das beschädigte Material aufrubbeln. Die Patches haften fest, sind langlebig und eignen sich für unterschiedlichste Stoffe.
Mit der Nähmaschine Löcher stopfen: Wer es klassischer angehen möchte, kann Löcher, besonders an stark beanspruchten Stellen wie den Knien oder im Schritt einer Hose, auch stopfen: Dafür wird ein Stoffstück in passender Farbe von innen unter das Loch gelegt. Anschließend näht man von der Oberseite aus mehrfach in Richtung des Fadenlaufs über die beschädigte Stelle. Dafür reicht normales Garn in der passenden Farbe. Wer den Repair-Look bewusst sichtbar machen möchte, kann stattdessen auch Effektgarn, zum Beispiel glitzerndes, verwenden.
2. Hosen passend machen
Hosen, die zu weit oder zu lang sind, lassen sich ganz unkompliziert verkürzen oder schmälern. Dafür wird die Hose zunächst nach Wunsch abgesteckt und anschließend entlang der gesetzten Markierung abgenäht. Wichtig ist dabei die passende Nadel: Für Jeans sollte eine spezielle Jeansnadel verwendet werden, während sich für Baumwolle eine leichtere Universalnadel, zum Beispiel Stärke 70, eignet.
Andersherum lassen sich viele Hosen auch verlängern. Und, Glück gehabt, das Auftrennen von Nähten gehört zu den einfachsten Reparatur- und Anpassungstechniken. Dafür wird der Saum mit einem Nahttrenner geöffnet. Besonders gut eignet sich etwa der Seam-Fix von Madeira: Er verfügt über eine hochwertige Stahlschneide mit Sicherheitskugelspitze sowie an beiden Enden über einen Garnentferner. Zusätzlich besitzt er einen speziell geformten Gummideckel, mit dem sich Garnreste, ähnlich wie mit einem Radiergummi, rückstandslos vom Stoff entfernen lassen.
3. Stoffe stärken
Wenn der Stoff eines besonders gern getragenen Kleidungsstücks an einzelnen Partien dünn oder fadenscheinig wird, kann er von der Rückseite aus mit dem Tender Touch verstärkt werden. Das Material wird aufgebügelt und gibt dem Stoff leichte Stabilität, ohne seine ursprüngliche Stofflichkeit stark zu verändern.
Alternativ können Stoffe auch verdoppelt werden, um Kleidungsstücke an stark beanspruchten Stellen zu verstärken. Um zwei Stofflagen miteinander zu verbinden, eignet sich Thermofix, umgangssprachlich auch Hexenspucke genannt. Dafür wird das Material in der passenden Größe zugeschnitten und zwischen die beiden Stofflagen gelegt, sodass jeweils die rechten Seiten, also die schönen Seiten, außen liegen. Anschließend wird gebügelt: Das Thermofix schmilzt durch die Hitze und verbindet die beiden Lagen miteinander.
4. Der richtige Nähmaschinenfuß wirkt Wunder
Mit verschiedenen Nähmaschinenfüßen könnt ihr Kleidung schon fast professionell reparieren und anpassen. Sich mit unterschiedlichen Füßen für die Nähmaschine zu beschäftigen, klingt zunächst nach zusätzlichem Aufwand, erleichtert viele Arbeitsschritte aber enorm.
Ein Säumerfuß etwa rollt die Stoffkante ein: Man legt den Stoff in die Öffnung des Nähfußes ein, näht los, und der Fuß sorgt automatisch für einen sauberen, gleichmäßigen Saum.
Ähnlich funktioniert ein Schrägband-Einfasser. Dabei wird das Schrägband durch die Form des Nähfußes so geführt und gefaltet, dass es sich um den Stoff legt und problemlos annähen lässt. Das sorgt für einen besonders ordentlichen Abschluss am Saum.
Ein spezieller Reißverschlussfuß wiederum ist hilfreich, wenn ihr einen Reißverschluss austauschen müsst, denn das kann ohne professionelles Equipment schnell zur Herausforderung werden. Wichtig ist, Nähfüße passend zur Marke der eigenen Nähmaschine zu kaufen. Dann lassen sie sich in der Regel einfach per Knopfdruck austauschen.
Auch, wenn es vielleicht wie ein zusätzlicher Haushalts-Task klingt: Das Reparieren gibt euch nicht nur besser passende, wieder heile und gut tragbare Kleidung zurück. Es hat auch fast etwas Meditatives, sich bewusst Zeit für diese kleinen Pflegeeinheiten zu nehmen und sich um die eigene Kleidung zu kümmern, so wie sie es verdient. Auch, wenn wir das fast mal vergessen hätten.
Es hat auch fast etwas Meditatives, sich bewusst Zeit für diese kleinen Pflegeeinheiten zu nehmen und sich um die eigene Kleidung zu kümmern, so wie sie es verdient.
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